Wirtschaft

Die dritte industrielle Revolution in Luxemburg

Der Minister für Wirtschaft stellt die ersten 9 Schritte vor.

Auf Initiative des Ministeriums für Wirtschaft und in Zusammenarbeit mit der Handelskammer und IMS Luxembourg wurde die strategische Studie „Die dritte industrielle Revolution“ am 14. November 2016 im Rahmen des „Luxembourg Sustainability Forum 2016“ in Anwesenheit der Haupt-Projektträger vorgestellt, darunter der Minister für Wirtschaft Étienne Schneider, der Generaldirektor der Handelskammer Carlo Thelen, der Vorsitzende der Handelskammer Michel Wurth und der Vorsitzende von IMS Luxemburg Christian Scharff sowie der visionäre amerikanische Ökonom Jeremy Rifkin.

Luxemburg startet in die dritte industrielle Revolution

Die Wirtschaft wird „smart“

Die so genannte „dritte industrielle Revolution“ ist tatsächlich eine Entwicklung auf nationaler Ebene, die alle Facetten des Alltags betrifft. Laut diesem von Jeremy Rifkin entwickelten Modell müssen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) – also Kommunikationstools, das Internet, das Internet der Dinge usw. –, erneuerbare Energien und neue Verkehrsmittel in einem intelligenten Netzwerk zusammenlaufen. Die von der Regierung in Auftrag gegebene und nach einem partizipatorischen Ansatz in Zusammenarbeit mit Jeremy Rifkin und seinem Expertenteam durchgeführte Strategiestudie soll das bestehende Wirtschaftsmodell für künftige Generationen nachhaltiger und vernetzter gestalten. Luxemburg ist das erste Land, das sich auf nationaler Ebene damit befasst.

Über 300 Personen aus allen sozioökonomischen Sektoren waren gefordert, sich während eines Jahres aktiv in neun Arbeitsgruppen einzubringen, die sich mit den Herausforderungen in den Bereichen Energie, Mobilität, Konstruktion, Ernährung, Industrie, Finanzwirtschaft, „Smart Economy“, Kreislaufwirtschaft sowie „Prosument & Sozialmodell“ beschäftigten.

Alle Informationen gebündelt

Das Ergebnis des Prozesses präsentiert sich in Form einer umfassenden und detaillierten Studie auf 475 Seiten, die die sozioökonomischen Eigenschaften des Landes in Betracht zieht und konkrete Maßnahmen und Instrumente vorschlägt, darunter eine ganze Palette an strategischen Maßnahmen und Projekten, die das Land, seine Gesellschaft und seine Wirtschaft darauf vorbereiten, den Prozess der „dritten industriellen Revolution“ einzuleiten. Darüber hinaus stehen noch ein zusammenfassender Bericht der Studie zur Verfügung, der die wichtigsten Herausforderungen sowie ihre wirtschaftlichen Folgen aufgreift, sowie eine Zusammenfassung aller 9 thematischen Säulen samt Angabe von 5 strategischen, als Priorität eingestuften Hauptmaßnahmen pro Thema. Beide Dokumente können auf http://www.troisiemerevolutionindustrielle.lu/ heruntergeladen werden.

Der Fahrplan steht

Im Anschluss an die Vorstellung der Studie und ihrer Ergebnisse wird die Regierung unter der Koordinierung des Wirtschaftsministers eine breit angelegte Konsultation der wichtigsten Institutionen durchführen, wie z. B. des Wirtschafts- und Sozialrates (Conseil économique et social), des Obersten Rates für nachhaltige Entwicklung (Conseil supérieur pour le développement durable) sowie bestimmter, die Jugend vertretender Organisationen und Plattformen, wie z. B. das Jugendparlament. Diese Maßnahme soll letztlich zu einer Beratungsdiskussion hinführen, die von der Abgeordnetenkammer bezüglich der Studie organisiert wird.

Die Regierung wird, unter Berücksichtigung des unterschiedlichen Bedarfs an Koordination aller Beteiligten, ein Führungsmodell umsetzen, um etwaige Maßnahmen zu diskutieren, die als Folge der Vorschläge aus der Studie zu ergreifen sind.

Die zu ergreifenden gesetzlichen, verordnungstechnischen oder fachlichen Maßnahmen sowie die Durchführung möglicher Vorreiterprojekte werden über vorhandene Plattformen (z. B. der Nationale Rat für nachhaltiges Bauen (Conseil national pour la construction durable) oder der Hohe Ausschuss für die Industrie (Haut comité pour l'industrie), usw.) oder über neu zu schaffende Plattformen (wie die Plattform „Smart Energy Luxembourg“) diskutiert, damit vorab ein Austausch und ein gemeinsames Verständnis zwischen allen Beteiligten möglich wird. Die Zusammensetzung dieser Strukturen ist von den untersuchten Themenbereichen abhängig und ihre Funktionsweise orientiert sich an den Prinzipien öffentlich-privater Partnerschaften.

Konkrete Maßnahmen

In seiner Ansprache kündigte der stellvertretende Premierminister und Minsiter für Wirtschaft Étienne Schneider an, dass mit den Arbeiten zur Umsetzung folgender Maßnahmen und Projekte begonnen werden soll:

  • Aufbau eines nationalen „Energie-Internets“;
  • Förderung der Elektromobilität und Auflegung eines Programms für emissionsfreie Privatfahrzeuge;
  • schrittweise Einführung der Mobilität als Dienstleistung („Mobility as a service“), d. h. ein Ökosystem der nachhaltigen Mobilität, bei dem die Bürger gemäß einem multimodalen Ansatz diejenige Kombination an Verkehrsmitteln aussuchen, die am besten zu ihrem täglichen Bedarf passt;
  • Durchführung eines Vorreiterprojekts für den Nachweis des sozioökonomischen Beitrags von smarten, nachhaltigen und zirkulären Stadtteilen/Städten;
  • Erstellung eines Fahrplans für eine nachhaltige Nahrungsmittelherstellung, die auf Transparenz und Vertrauen gründet;
  • Entwicklung von technologischen ko-implementierten Plattformen für die Industrie und die öffentliche Forschung;
  • Einrichtung einer Plattform zur Vermittlung von Finanzierungen für nachhaltige Entwicklungsmaßnahmen unter dem Namen „Luxembourg Sustainable Development Finance Platform“;
  • Implementierung einer Infrastruktur, die die im Bereich Hochleistungsrechnen (HPC – High Performance Computing) erforderlichen Kapazitäten bereitstellt;
  • Förderung der Kreislaufwirtschaft im Rahmen der öffentlichen Auftragsvergabe.

Ein nationaler Begleitausschuss, bestehend aus Vertretern der von der „dritten industrielle Revolution“ und der Initiative „Digital Lëtzebuerg“ betroffenen Ministerien sowie Vertretern der Tarifparteien, wird unter der Zuständigkeit des Ministeriums für Wirtschaft die allgemeine Koordination des post-Rifkin-Prozesses sicherstellen.

Eine Partnerschaft mit Blick in die Zukunft

Der Minister für Wirtschaft Étienne Schneider kommentierte: „Die Ergebnisse der Studie sind eine allgemeine Richtschnur für die zukünftige Entwicklung des Landes. Die Vorstellung dieser Studie stellt nicht das Ende eines Prozesses dar; vielmehr steht sie am Beginn der Arbeiten, um erste konkrete Maßnahmen umzusetzen, die eine Entwicklung von besserer Qualität in Luxemburg erlauben.“

Carlo Thelen, Generaldirektor der Handelskammer, sagte: „Die Handelskammer wird ihre den Unternehmen angebotenen Dienstleistungen anpassen und gegebenenfalls neue Instrumente anbieten, um Unternehmen die erfolgreiche Bewältigung der mit der Digitalisierung bzw. der Energiewende verbundenen Herausforderungen zu ermöglichen. Dabei wird das „House of Entrepreneurship“ eine bedeutende Rolle spielen, insbesondere, um Start-ups mit vielversprechenden Geschäftsmodellen zu flankieren.“

Der Vorsitzende von IMS (Inspiring More Sustainability), Christian Scharff, erklärte: „Als aktiver Partner in dieser Strategie, spielte IMS Luxembourg seine Rolle als Impulsgeber und Katalysator für den Wandel. Heute wurde ein greifbarer Aktionsplan vorgestellt: für den Aufbau eines resistenten und nachhaltigen Wirtschaftsmodells für das Großherzogtum.“

(Quelle: Pressemitteilung: Ministerium für Wirtschaft / Handelskammer / IMS Luxembourg)

  • Letzte Änderung dieser Seite am 20-11-2016