Ostern und Éimaischen (März oder April)

Ouschterhues, Klibberen, Éimaischen und Péckvillercher

Ostern ist in Luxemburg ein traditionsreiches Fest, das zum Teil wie in den benachbarten Ländern gefeiert wird. Wichtig sind dabei zum Beispiel der religiöse Aspekt oder die Symbole des Hasen und der Eier. Daneben gibt es aber auch rein luxemburgische Bräuche: das Klibberen, der Jaudesbrauch, das Schokoladenei der Verliebten, die Éimaischen und die Péckvillercher.

Ein religiöses Fest

Kind mit einem mit Ostereiern gefüllten Korb am Ostersonntag
Stockbyte / Thinkstock
In Luxemburg, wo der Großteil der Bevölkerung katholisch ist, gehört Ostern, das Fest der Auferstehung Jesu Christi, zu den bedeutendsten Festen des Jahres.

Viele praktizierende Christen nehmen an den Messen teil, die an Gründonnerstag (Gréngendonneschden), Karfreitag (Karfreiden), Karsamstag (Karsamsden) und am Ostersonntag (Ouschtersonnden) stattfinden.

Ein Familienfest

Aber Ostern ist auch ein Familienfest Wie in den meisten Ländern gehören auch im Großherzogtum der Osterhase und die Ostereier zum Osterfest dazu.

Eier und Hase stehen für Fruchtbarkeit, Frühling und Neubeginn. Bevor es seine christliche Bedeutung erhielt, war Ostern ein heidnisches Fest, das zu Ehren der Fruchtbarkeitsgöttinnen gefeiert wurde.

Die Eier werden zuerst gekocht, dann gefärbt und schlussendlich von den Eltern versteckt, damit die Kinder sie später bei der traditionnellen Eiersuche aufspüren können. Die richtigen Eier werden immer mehr durch Schokoladeneier ersetzt (die Luxemburger sind mit jährlich 7,2 Kilo pro Einwohner, die viertgrößten Schokoladenesser in Europa).

Der Legende nach bringt der Ouschterhues (Osterhase) die Ostereier.

Bevor die Eier gegessen werden, spielen die Kinder Técken (ticken, dütschen). Dabei geht es darum, mit der Spitze eines Eis gegen die Spitze des Eis des Mitspielers zu schlagen. Das Kind, dessen Ei nicht kaputt geht, gewinnt.

Klibberen

Der Legende nach fliegen die Kirchturmglocken nach der Gründonnerstagsmesse nach Rom, um die Ostersegnung des Papstes zu erhalten.

Um sie zu ersetzen und die Gläubigen zum Gottesdienst zu rufen, ziehen die Kinder und Jugendlichen (oftmals Messdiener) mit ihrer Klibber (einem kleinen hölzernen Schlaginstrument aus Holz, bei dem Platten durch eine Kurbel zum Knattern gebracht werden) durch die Dörfer und singen das Klibberlidd: "Dik-dik-dak, dik-dik-dak, haut as Ouschterdaag" (dik-dik-dak, dik-dik-dak, heute ist Ostern).

Zur Belohnung erhalten die jungen Leute Ostereier, manchmal auch Geld, das am Morgen des Ostersonntags bei den Anwohnern eingesammelt wird.

Der Jaudesbrauch

Der Jaudesbrauch (Hagebuttenfest) ist ein lokaler Brauch aus Vianden, der Ardennenstadt im Norden Luxemburgs. Er wird am Karfreitag gefeiert.

"Jaudes" bezieht sich sowohl auf das Fest als auch auf den mit Rosendornen, Papierblumen und Bändern geschmückten Strauß. Dem Brauch nach versammeln sich die Viandener Jungen nach der Fertigstellung ihres Straußes um die Mittagszeit in ihrem Viertel und verbrennen ihren Jaudes.

Dieser Brauch, den es seit dem Mittelalter gibt, soll vom Apostel Judas inspiriert sein. Ziel ist es, die Missbilligung des Volkes dem Apostel Judas gegenüber zu zeigen, dessen Schicksal es sei, symbolisch in der Hölle zu schmoren.

Der Brezelbrauch und das Osterei

Die Frauen, die am Bretzelsonnden (Brezelsonntag) von ihrem Partner eine Brezel geschenkt bekommen haben, schenken am Ostersonntag wiederum als Zeichen ihrer Liebe ein gefülltes Schokoladenei.

Die Éimaischen und die Péckvillercher

"Péckvillercher" (Vogelpfeifen aus Lehm) auf dem "Emaischen" Markt, in Nospelt und Luxemburg-Stadt
Rob Kieffer
Am Ostermontag findet die traditionnelle Éimaischen (Emmausfest), ein Volksfest, in Luxemburgs Altstadt (Fischmarkt und Umgebung) sowie im Dörfchen Nospelt statt.

Etymologisch gesehen geht das Wort Éimaischen auf den Gang der Jünger Jesu Christi nach Emmaus zurück, einem palästinensischen Ort in der Nähe Jerusalems, wo Christus zwei von ihnen vor seiner Wiederauferstehung erschienen ist.

Der Ursprung der Éimaischen als Töpfermarkt geht auf das 19. Jahrhundert zurück. Der Ostermontag war schon seit Langem der Feiertag der Töpfergilde.

In Quellentexten wird die Éimaischen erstmals am 3. April 1827 erwähnt. An dem Tag wurde entschieden, den Jahrmarkt von der Michelskirche auf den Fischmarktplatz in Luxemburg-Stadt zu verlegen.

Nach einer Unterbrechung durch den Ersten Weltkrieg hat das Komitee Alstad die alte Tradition der Éimaischen ab 1938 wieder aufleben lassen. Seit 1957 wird das Fest ebenfalls in Nospelt gefeiert.

Die Éimaischen ist vor allem wegen der Péckvillercher bekannt. Das sind die kleinen, typisch luxemburgischen Vögel aus Ton, deren Pfeifton dem des Kuckucks täuschend ähnlich ist.

Über die Jahre ist die Éimaischen nicht nur ein fester Treffpunkt für Töpfer geworden: Kunsthandwerk, Folklore und Essensstände gehören mittlerweile genauso dazu.

Feiertage und Schulferien

Das Osterfest wird am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert. Das Fest findet immer zwischen dem 22. März und dem 25. April statt, was dem Ende des zweiten Schultrimesters entspricht. Die Kinder der Grund- und Sekundarschule können sich an Ostern über zwei Wochen Ferien freuen.

  • Letzte Änderung dieser Seite am 10-06-2016