Die Echternacher Springprozession

Eine Tradition, die es auf die Liste des Unesco-Weltkulturerbes geschafft hat, Mai oder Juni.

Die Echternacher Springprozession ist Teil einer sehr alten religiösen Tradition. Es handelt sich um die einzige Springprozession in Europa, die gerade deshalb auch weit über die Grenzen Luxemburgs hinaus bekannt ist. Die Prozession, die am Pfingstdienstag stattfindet, ist ein international bekanntes Ereignis. Seit dem 16. November 2010 befindet sich diese Tradition auf der Liste des Unesco-Weltkulturerbes.

Teilnehmer an der Sprinprozession zu Ehren des Heiligen Willibrord
Marcel Schmitz / SIP
Diese Prozession ist aus heidnischen Ritualen heraus entstanden. Der Legende nach geht sie auf das 8. Jahrhundert und den Heiligen Willibrord sowie den langen Veit, den "Geiger von Echternach", zurück. Der lange Veit war mit seiner Frau ins Heilige Land gepilgert, musste aber alleine wieder zurückkehren, da seine Frau unterwegs verstorben war. Während seiner langen Abwesenheit hatten sich einige Verwandte über seinen Besitz hergemacht, um dann, bei seiner Rückkehr, das Gerücht zu streuen, Veit habe seine Frau eigenhändig getötet. Der Unglückliche wurde zu Tode veruteilt. Doch bevor er gehängt werden sollte, bat er, ein letztes Lied auf der Geige spielen zu dürfen. Dieser Wunsch wurde ihm gewährt. Veit fing an zu spielen und bald begannen die Schaulustigen zu tanzen. Stundenlang haben sie getanzt! Und als Veit, natürlich Geige spielend, die Stadt verließ, tanzten sie noch immer. Da wurde der Heilige Willibrord gerufen, um den Fluch zu durchbrechen und die Unglücklichen vom Bann des Veit zu befreien.

In früheren Zeiten hieß es, die Beteiligung an der Springprozession diene dazu, den Veitstanz sowie manch anderes Leiden bei Mensch und Tier zu heilen. Anders als heute handelte es sich früher nicht um eine hauptsächlich folkloristische Veranstaltung, sondern um eine richtige Pilgerfahrt zu der die Gläubigen oft zu Fuß, manchmal von weither, kamen. Sie nahmen oft große Strapazen auf sich, um an der Springprozession teilzunehmen. Heute noch erzählt man, dass die Pilger aus Prüm in der Eifel immer zwei Särge mit sich trugen. Denn nicht selten kam es unterwegs zu Todesfällen.

Bei der Springprozession ist der Name Programm: es wird tatsächlich gesprungen, und zwar zwei Schritte nach links, dann zwei Schritte nach rechts. Früher wurden drei Schritte nach vorn und dann zwei Schritte nach hinten gesprungen. Heute noch spricht man humorvoll von Projekten die „wie bei der Echternacher Springprozession“ vorankommen. Die Tänzer („Springer“), die in Reihen von fünf oder sechs Personen aufgestellt sind, halten jeweils mit einer Hand das Ende eines Taschentuchs und springen zu den Klängen der einzigartigen Springprozessionsmelodie, die von Dutzenden Musikkapellen in einer Endlosschleife gespielt wird.

Auch Akkordeonisten und Violonisten sind jedes Mal mit dabei. Die Melodie ist übrigens von dem volkstümlichen Lied „Adam hatte sieben Söhne“ inspiriert. Fast drei Stunden lang wird in den Straßen von Echternach musiziert und gesprungen. So bewegt sich die Prozession langsam in Richtung Basilika, in deren Krypta der Heilige Willibrord ruht. Bis zu 10.000 Schaulustige nehmen jedes Jahr an dem Ereignis teil.

(Quelle: BRAUN, Josy. "Traditions et fêtes" in: Lëtzebuerg. Grand-Duché de Luxembourg. Presse- und Informationsamt. 2007.) (auf Französisch)

  • Letzte Änderung dieser Seite am 02-06-2017