Wirtschaft und Schlüsselbranchen

Wirtschaftliche Schwerpunkte

Wirtschaftliche Schwerpunkte: international orientierte Wirtschaft, großes Wachstumspotenzial, solide makroökonomische Grundlagen, breit gefächerte Industrie, internationales Finanzzentrum, moderne Infrastrukturen, optimale Vernetzung mit den Märkten, attraktive institutionelle, rechtliche und steuerliche Rahmenbedingungen

Hauptstadt der Europäischen Union:

Mit Brüssel und Straßburg zählt Luxemburg zu den drei „Hauptstädten“ der Europäischen Union. In der Hauptstadt befinden sich mehrere europäische Dienste und Einrichtungen, unter anderem die Dienststellen der Europäischen Kommission (Übersetzungsdienst, Amt für Veröffentlichungen, Statistisches Amt), der Europäische Rechnungshof, der Europäische Gerichtshof, die Europäische Investitionsbank (EIB), der Europäische Investitionsfonds (EIF), das Sekretariat des Europäischen Parlaments, die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) und der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM).

Gründungsmitglied wichtiger internationaler Organisationen:

  • Benelux, Europarat
  • Europäische Union
  • NATO
  • OECD
  • Vereinte Nationen
  • WTO ...

Währungseinheit

  • 1 euro (€) = 100 cents

Arbeitsmarkt

Arbeitslosenquote*

  • 7,1% (März 2014)

Gesamtinlandsbeschäftigung*

  • 392.131 Arbeitnehmer (März 2014); etwa 70 Prozent der Arbeitskräfte des Landes sind Gastarbeiter oder Grenzgänger.

Grenzgänger

  • Einpendler*: 162.183 (März 2014)
  • Auspendler*: 11.908 (März 2014)

Der Anteil an Grenzgängern ist von 3% in 1961 auf 44% in 2010 angestiegen; fast die Hälfte der Grenzgänger kommt aus Frankreich.

Internationale Bedienstete und Beamte

  • 10.400 (2012)

Inflationsrate

  • 1,7% (2013)

BIP (reales Wachstum)

  • 2,7% (2014)

* saisonbereinigte Daten
Vorhersage

BIP/Einwohner

82.700 EUR im Jahr 2012. Nach diesem Indikator steht Luxemburg an der Spitze der reichsten Länder der Welt. Dies ist allerdings angesichts des hohen Anteils von Grenzgängern, die nicht im Nenner des Quotienten berücksichtigt sind, zu relativieren.

Große politische und soziale Stabilität

Regierung, Arbeitgeber und Gewerkschaften setzen sich gemäß dem "Luxemburger Sozialmodell" an einen Tisch, um im Rahmen der sogenannten Tripartite über wichtige wirtschaftliche und soziale Fragen zu verhandeln. Aus diesem Grund kommt es in Luxemburg ausgesprochen selten zu Streiks.

Starke internationale Ausrichtung 

Das Großherzogtum ist in Bezug auf den Absatz seiner Waren und Dienstleistungen sowie die Versorgung mit auf dem Inlandsmarkt nicht verfügbaren Waren und Dienstleistungen, erheblich auf das Ausland angewiesen.

Informationsgesellschaft

2013 verfügten 99,4% der privaten Haushalte über ein Mobiltelefon, 94% der Haushalte besaßen einen Computer, 95% der Haushalte hatten einen privaten Internetzugang und fast acht von zehn Haushalten nutzten einen Breitbandanschluss. Nahezu alle Firmen verwendeten Computer und waren ans Internet angeschlossen. Neun von zehn Firmen nutzten Breitbandverbindungen. Acht von zehn Firmen verfolgten eine „Green IT“-Strategie, haben also Maßnahmen zur umweltschonenden Nutzung von Informationstechnologie ergriffen.

Anteil der Wirtschaftssektoren am BIP:

  • Landwirtschaft: 0,3%
  • Industrie: 13,4%
  • Dienstleistungen: 86,8%

Wichtige Wirtschaftszweige

Der wichtigste Motor der luxemburgischen Wirtschaft ist der Finanzsektor. Da die Abhängigkeit von einem Sektor jedoch ein wirtschaftliches Risiko darstellt, verfolgen die luxemburgischen Behörden bewusst eine Diversifizierungspolitik, mit der Bereiche wie Informations- und Kommunikationstechnik (IKT), Logistik, Biotechnik, Umwelttechnologie und Forschung gefördert werden, und gleichzeitig die Diversifizierung des Finanzsektors vorangetrieben wird.

Finanzen 

Luxemburg hat sich als führender Finanzplatz etabliert. Rund 150 Banken (2014) sind im Großherzogtum tätig. Es ist das größte Zentrum für Investmentfonds in Europa (zweitgrößtes weltweit nach den USA), das größte Private-Banking-Zentrum der Eurozone und führender Standort für Rückversicherungsunternehmen. Für die Entwicklung und Förderung des Finanzplatzes Luxemburg ist die Einrichtung Luxembourg for Finance (LFF) zuständig. Die Banken in Luxemburg haben sich auf Private-Banking (Vermögensverwaltung für Privatkunden), Versicherungswesen, die Verwaltung und Verwahrung des Sondervermögens von Investmentfonds und die Ausgabe von Fondsanteilen spezialisiert. Darüber hinaus ist der Finanzplatz im Bereich der Mikrofinanz, der philanthropischen Investments und des Islamischen Finanzwesens aufgestellt. Der Finanzsektor trägt ein Drittel zum BIP Luxemburgs bei.

  • Mehr zu diesem Thema in unserer Rubrik Finanzen.

Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) 

Der IKT-Sektor generiert 6,6% der Bruttowertschöpfung und macht 4,0% der Gesamtbeschäftigung aus (2012). Luxemburg verfügt über eine Vielzahl direkter Breitbandverbindungen zu den wichtigsten europäischen Internetknoten in London, Amsterdam, Frankfurt und Paris, die sehr niedrige Latenzzeiten erreichen. Sehr niedrige Latenzzeiten nach London, Amsterdam, Frankfurt und Paris. Führende Unternehmen der IKT-Branche wie Amazon.com, iTunes, eBay, Vodafone, RealNetworks und Rakuten sowie Unternehmen aus dem Bereich Online-Spiele haben sich in Luxemburg niedergelassen. Weitere vorteilhafte Standortfaktoren Luxemburgs:

  • Große Bandbreite leistungsfähiger Rechenzentren
  • Niedrige Strompreise
  • Versorgungsgrad mit Breitbandinternet: 100% (2014)
  • Verbreitung mobiler Breitbandanschlüsse: 65% (gemessen an der Zahl der Mobilfunknutzer, 2012)
  • Verbreitung fester Breitbandanschlüsse mit 100 Mbit/s: 80% (gemessen an der Bevölkerung, 2014)
  • Verbreitung fester Breitbandanschlüsse mit 1 Gbit/s: 25% (gemessen an der Bevölkerung, 2014)
  • Anzahl zertifizierter Tier-4-Rechenzentren in Luxemburg: 6 (2014)

Luxemburg steht bei der Breitbandabdeckung und den Kapazitäten für internationalen Datenverkehr europaweit an erster Stelle (2014). Auch in Bezug auf die Gesetze im Bereich IKT belegt das Land den ersten Platz (von 148 Ländern, 2014). Als Dachorgan des gesamten IKT-Sektors fungiert das Luxembourg ICT Cluster.

Logistik

Die Logistik ist in Luxemburg dank der guten Vernetzung mit den internationalen Märkten ein boomender Sektor. Der Sektor stützt sich auf drei Pfeiler: die Luftfracht (Cargolux, eine der größten Frachtfluggesellschaften weltweit, LuxairCargo und CargoCenter), die Eisenbahnfracht (CFL Cargo und CFL Multimodal) und die Binnenschiffsfracht. Luxemburg Freeport, die erste Freihandelszone des Großherzogtums Luxemburg am internationalen Flughafen Findel; Pharma & Healthcare Center am internationalen Flughafen Findel Als Dachorgan des Sektors fungiert das Luxembourg BioHealth Cluster. Als Dachorgan des Sektors fungiert das Cluster for Logistics. Als Dachorgan des Sektors fungiert das Cluster for Logistics. Laut dem Logistics Performance Index (LPI) der Weltbank belegt Luxemburg im Ranking der Länder mit der besten Logistikleistung derzeit (2014) den achten Platz.

  • Mehr zu diesem Thema in unserer Rubrik Logistik.

Biotechnologie

Die Universität Luxemburg und die öffentlichen Forschungszentren arbeiten mit weltweit renommierten Forschungseinrichtungen bei drei Vorhaben zusammen: die Integrated Biobank of Luxembourg (IBBL), das Luxembourg Centre for Systems Biomedicine und die Forschung zur Validierung von Markern für Lungenkrebs. Als Dachorgan des Sektors fungiert das Luxembourg BioHealth Cluster.

Umwelttechnologien

Luxemburg beherbergt rund 200 Unternehmen, die in den Bereichen erneuerbare Energien, Abfallentsorgung, Abwasserwirtschaft und ökologisches Bauen tätig sind. Sie werden bei ihrer Arbeit von 28 öffentlichen Einrichtungen und 6 Forschungsinstituten unterstützt. Als Dachorgan des Sektors fungiert das Luxembourg Ecoinnovation Cluster.

Industrie

Die Eisen- und Stahlindustrie war bis zur Strukturkrise in den 1970er Jahren das Zugpferd der luxemburgischen Wirtschaft. Das Stahlwerk ARBED hat maßgeblich zum Wohlstand des Landes beigetragen. 2001 entstand durch den Zusammenschluss von ARBED mit Usinor und Aceralia der Konzern ARCELOR, der 2006 wiederum mit Mittal Steel fusionierte. ArcelorMittal, dessen Sitz in Luxemburg liegt, ist heute der weltweit größte Stahlkonzern. Andere Industriezweige sind die Werkstoffindustrie (u. a. DuPont de Nemours, Guardian Glass) und die Automobilzuliefererindustrie (u. a. Goodyear, Delphi).

  • Mehr zu diesem Thema in unserer Rubrik Industrie.

Audiovisuelle Produktion

Luxemburg hat eine Vorreiterrolle in der europäischen Medienlandschaft gespielt. Zwei Riesen der Medien- und Kommunikationsindustrie haben in Luxemburg das Licht der Welt erblickt und entwickeln sich immer noch von Luxemburg aus weiter: RTL Group, Europas größter Betreiber von Privatfernsehen und Privatradio, und SES, weltweiter Marktführer im Kommunikations- und Fernübertragungswesen, mit einer Flotte von 50 Satelliten. Darüber hinaus verfügt Luxemburg über rund 20 Filmproduktionsgesellschaften, drei Filmstudios und etwa 30 Postproduktionsgesellschaften. Viele luxemburgische (Ko-)Produktionen haben Preise bei internationalen Filmfestivals gewonnen. 2014 holte der Animationsfilm „Mr Hublot“ (Zeilt Productions) erstmals einen Oscar nach Luxemburg. „Ernest & Célestine“ (Mélusine Productions) wurde 2013 unter anderem mit dem César in der Kategorie Bester Animationsfilm ausgezeichnet.

Forschung und Innovation

In der wirtschaftlichen Diversifizierungspolitik Luxemburgs kommt Forschung und Innovation eine wesentliche Rolle zu. 2014 investierte das Land 1,24% des BIP in diesem Bereich. Etwas mehr als die Hälfte der Investionen im Forschungsbereich kommen aus dem Privatsektor Die Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, eine nationale Forschungsquote von 2,6% des BIP zu erreichen. Die 2003 gegründete Universität Luxemburg ist eine junge, mehrsprachige Hochschule, die sich der Forschung verpflichtet. Sie befindet sich im Herzen des Wissenschaftsparks "Cité des sciences, de la recherche et de l’innovation" auf den alten Industriebrachen in Esch-Belval. Hier befindet sich ebenfalls das Haus der Innovation und mehrere öffentliche Forschungsstellen: LISER (Luxembourg Institute of Socio-Economic Research), LIST (Luxembourg Institute of Science and Technology), LCSB (Luxembourg Centre for Systems Biomedicine)...

Handwerk 

Mit etwa 7.000 Betrieben ist dieser Sektor der größte Arbeitgeber des Großherzogtums. Gemessen an der Gesamtwirtschaft macht das Handwerk 22% der Unternehmen und 23% der Gesamtbeschäftigung aus (Daten 2017). Der Sektor ist in erheblicher Weise auf Grenzpendler angewiesen (49%). 

  • Mehr zu diesem Thema in unserer Artikel Über das Handwerk 2017

Tourismus

2012 trug der Tourismus nach Einschätzung des World Tourism and Travel Council (WTTC) direkt und indirekt 5,7% zum Luxemburger BIP bei. Der Sektor macht 7,6% der Gesamtbeschäftigung aus. Die Regierung legt einen besonderen Schwerpunkt auf den Geschäfts- und Kongresstourismus. Für die Förderung des Tourismus in Luxemburg ist das Nationale Fremdenverkehrsamt (Office national du tourisme, ONT) zuständig.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren konstant entwickelt, spielt gesamtwirtschaftlich jedoch eine geringe Rolle. Die Zahl der Beschäftigten ist stark gesunken: 1947 arbeiteten 43,37% der luxemburgischen Bevölkerung im Primärsektor (Landwirtschaft, Jagd, Forstwirtschaft, Fischfang). 2001 waren es nur noch 3,61%. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe und Arbeitskräfte (1% der Gesamtbeschäftigung 2012) ist heute rückläufig, während die landwirtschaftliche Nutzfläche kaum abnimmt. Der Ökolandbau gewinnt, wenn auch langsam, zunehmend an Bedeutung (2013: 120 Biobauern). Dafür nimmt die Nachfrage nach Öko-Lebensmitteln sowohl bei Öko-Fachgeschäften als auch Supermärkten kontinuierlich zu.

  • Letzte Änderung dieser Seite am 11-05-2017