Auswanderung und Einwanderung

Das Großherzogtum Luxemburg ist heute ein Einwanderungsland. Dies war jedoch nicht immer so. Im Laufe der Geschichte wurde Luxemburg von mehreren Auswanderungswellen geprägt.

Von einem Auswandererland...

Vor dem Aufschwung der Stahlindustrie, Mitte des 19. Jahrhunderts, war Luxemburg ein armes, ländlich geprägtes Land. Getrieben von der Hoffnung auf ein besseres Leben in einem anderen Land verließen viele Luxemburger ihre Heimat.

Eine erste Auswanderungswelle, nach Transsylvanien, hatte schon im 12. Jahrhundert stattgefunden. Während der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, wanderten dann viele nach Banat, eine Region im Südosten Europas, aus.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts und bis zum Ersten Weltkrieg ist Luxemburg durch eine starke Auswanderung nach Übersee gekennzeichnet (Vereinigte Staaten, Brasilien, Argentinien...). Andere gehen nach Frankreich, um dort als Handwerker oder, wie viele junge Mädchen, als Bedienstete oder Gouvernanten zu arbeiten. Die Zahl der Luxemburger die zwischen 1841 und 1891 das Land verließen, wird auf 72.000 geschätzt, wobei die Gesamtbevölkerung im Jahre 1891 212.800 Einwohner beträgt.

Die Luxemburger wandern aus wirtschaftlichen Gründen aus: die Bevölkerung nimmt zu, die landwirtschaftlichen Parzellen werden immer kleiner und die Weinlesen sind mager. Durch den Aufschwung der Großindustrie gehen im traditionnellen Handwerk Stellen verloren.

In der Hoffnung auf eine bessere Zukunft verlassen Familien, und manchmal ganze Dörfer das Großherzogtum und seine Umgebung. Im Jahre 1908 leben so beispielsweise 16.000 luxemburgische Auswanderer in der amerikanischen Stadt Chicago. Manche gelangten in ihrer neuen Heimat zum Ruhm, wie zum Beispiel Hugo Gernsback (1884-1967), der Erfinder des Begriffs "Science Fiction", oder Edward Steichen, Maler und begnadeter Fotograf, der die Leitung der Fotografieabteilung des New Yorker Museum of Modern Art (MoMa) übernahm.

... zu einem Einwanderungsland

Im 20. Jahrhundert nahm die Bevölkerung konstant zu. In 100 Jahren hat sie sich fast verdoppelt, und wuchs von 260.000 Einwohnern im Jahre 1910 auf 500.000 im Jahre 2010 an. Heutzutage zählt das Großherzogtum mehr als 576.000 Einwohner.

Diese außergewöhnliche demografische Entwicklung fußt größtenteils auf einer Einwanderung, die sich im parallel zum wirtschaftlichen Aufschwung des Landes entwickelt hat. Anfangs war es die Eisenerzindustrie die zahlreiche Italiener und Portugiesen nach Luxemburg gelockt hat. Später waren es dann Franzosen, Belgier und Briten, die von einem attraktiven Dienstleistungssektor angezogen wurden. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass die Bevölkerung des Landes heutzutage aus mehr als 46% Nicht-Luxemburgern besteht.

16,2% der Einwohner Luxemburgs gehören der portugiesischen Gemeinschaft an, die damit zahlenmäßig am stärksten vertreten ist. Es folgen die Franzosen (7,2%), Italiener (3,5%), Belgier (3,4%) und Deutschen (2,2%).

  • Letzte Änderung dieser Seite am 16-12-2016